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Trotzphase

Baby Gedanken

Die Trotzphase und wie wir mit Ihr umgehen

24. Oktober 2017

Emil ist mitten drin in der allseits bekannten Trotzphase. Wutanfälle sind unsere täglichen Begleiter. Natürlich sind diese „Anfälle“ wahnsinnig anstrengend und rauben mir/uns so manches Mal den letzten Nerv, jedoch würde ich Emil niemals dafür bestrafen, selbst, wenn er mir mal weh tut.

Was mich zu dieser Einstellung bringt? Für ein Kind sind diese Trotzanfälle nichts, was sie gerne tun und schon gar nicht wollen sie uns bewusst verletzen. Sie werden von Ihren Gefühlen einfach überrannt.

Wut ist eine ganz neue Emotion für die Kleinen, die sie nicht einzuschätzen wissen und mit der sie erstmal lernen müssen umzugehen.

Jede Mutter kennt wohl die Situation beim Einkaufen, in der sich das Kind auf den Boden schmeißt und einen riesigen Aufstand macht. Nichts spürt man eindringlicher, als die genervten oder auch mitleidigen Blicke der anderen im Laden. Ich muss gestehen, früher, als ich noch kinderlos war, dachte ich auch immer, dass Mütter Ihre Kinder nicht im Griff hätten, wenn es sich auf den Boden schmeißt und eine riesen Szene macht. Jetzt sehe ich das natürlich anders. 

Warum Kinder gerade beim Einkaufen immer Ihren größten Trotzanfall bekommen, kann ich leider nur vermuten. Vermutlich, weil einkaufen tierisch langweilig für sie ist und sie in dem Moment einfach lieber etwas anderes machen wollen, oder in manchen Fällen sicherlich auch enttäuscht sind, wenn sie gerade in dem Moment nicht das bekommen, was sie JETZT gerne hätten.

Meine Oma hat mal zu mir gesagt, man sollte seinem Kind nie etwas während des Einkaufens kaufen, denn dann wollen sie immer etwas haben. Im Grunde muss ich Ihr da zustimmen, es macht schon Sinn und trotzdem habe ich den Rat nicht befolgt. Und ehrlich gesagt, ist es genau das, was zur Zeit bei Emil die Trotzanfälle beim Einkaufen auslöst. Wenn er nicht das bekommt, was er haben will. Ich rede jetzt nicht von etwas essbarem, wobei das auch eine Form der Bestechung ist 😉

Natürlich bekommt er trotzdem nicht immer was, da kann ich schon standhaft bleiben. Wenn ich ihm jedoch gerne etwas kaufen möchte, also eine Kleinigkeit versteht sich, dann mache ich das auch. Aber eben nicht, wenn er danach fragt oder bettelt oder gar quarkt. Mittlerweile muss ich sagen, dass es wirklich gut funktioniert und er deutlich weniger trotzt während des Einkaufens.

Was tun wir Mütter jedoch gegen diese Trotzanfälle in der Öffentlichkeit? Wird von uns eine Reaktion erwartet, muss ich mich gegenüber fremden Menschen wirklich rechtfertigen oder gar zurecht weisen lassen?

Ich war einmal in der Situation, in der  mich eine ältere Dame auf mein trotzendes Kind angesprochen hat und mir dreist ins Gesicht sagte, dass mein Kind ja ganz schön unerzogen sei und warum ich denn nicht einfach weggehen würde, wenn er sich so benimmt, das macht man schließlich so. Man sollte dem Kind keine Beachtung schenken und einfach weg gehen.

Ich war ehrlich gesagt ziemlich geschockt von Ihrer Aussage. Welches Recht nahm sich diese für mich fremde Person hier eigentlich raus, mich und meine Erziehung so zu kritisieren und mir auch noch zu sagen, wie ich mich denn richtig verhalten sollte.

Und natürlich fing ich an, mich zu rechtfertigen. Aber aus welchem Grund? Emil wollte lediglich seinen Unmut kund tun und Kinder in dem Alter sind einfach noch nicht in der Lage, Ihre Gefühle anders auszudrücken. Und nein, ich lasse mein Kind nicht einfach allein in solch einer Situation und gehe auch ganz bestimmt nicht einfach weg. Ich schenke Ihm jedoch auch nicht allzu große Beachtung. 

In dieser Situation möchte ich mein Kind nicht einfach verlassen, nur, weil es gerade mal trotzt. Versetzt Euch mal in Eure Kinder hinein, die in dieser Situation mit einer noch recht neuen Emotion, mit der sie einfach noch nicht umgehen können, alleine gelassen werden. Wie fühlt es sich für Euer Kind wohl an, wenn Ihr einfach geht? Eine so heftige Emotion, mit der selbst Erwachsene noch Schwierigkeiten haben umzugehen. Erwachsene Menschen, die Ihre Wut nicht unterdrücken können, wie sollen es da so kleine Geschöpfe können? Sie müssen es lernen und wir müssen Sie auf diesem Weg begleiten.

Selbstverständlich stehe ich nicht einfach nur so in der Gegend rum, ich versuche mit ihm zu reden und wenn es gerade nicht möglich ist, dann warte ich einen Augenblick, bis er sich etwas beruhigt hat. Ich versuche ihm die Situation zu erklären und versuche herauszufinden, was gerade sein Problem ist. Natürlich ist es auch für mich keine schöne Situation, am liebsten würde ich flüchten, aber ich bleibe stets bei meinem Kind und versuche ihm zu vermitteln, dass es okay ist, seine Emotionen zu zeigen, aber das es bessere Wege gibt, damit umzugehen, als sich auf den Boden zu schmeißen.

Manchmal dauert es sicherlich länger, als bei Mamas, die schnell das Weite suchen und den obligatorischen Satz: “ Wenn Du weiter so schreist, dann gehe ich ohne Dich“ sagen, welches in den meisten Fällen bei den Kleinen zieht, da kein Kind von seiner Mama alleine gelassen werden möchte. Jedoch löse ich mit meinem Ansatz den Konflikt, meiner Meinung nach, entspannter und Emil beruhigt sich wirklich sehr schnell. 

Ich zeige ihm auch seine Grenzen auf und sage ihm, dass es nicht in Ordnung ist, stellt Euch das jetzt bitte nicht so vor, als das ich daneben stehe und ihm gut zurede. Aber ich bleibe ruhig und konstruktiv.

Es gibt jedoch auch bei uns Tage, da hilft absolut keine Diplomatie, jeder hat halt mal einen schlechten Tag und dann kommt es schon mal vor, dass ich schnell mit Emil das Weite suche, aber niemals lasse ich ihn alleine stehen oder drohe es ihm an!

Manche Abende verlaufen bei uns ziemlich chaotisch. Meiste zieht sich das dann schon wie ein roter Faden durch den Tag. Angefangen morgens in der Kita, wo er nicht bleiben möchte, der Mittagsschlaf, der verweigert wird, obwohl Emil total müde ist, das Abendessen, was nicht angerührt oder womit womöglich noch rumgeschmiert wird. Da wissen wir dann meist schon, dass unser Abendritual gecrasht wird und sich das Zu-Bett-bringen in die Länge ziehen wird und vermutlich auch nicht gerade entspannt ablaufen wird.

An manchen Abenden ist es sogar so, dass wir gemütlich mit ihm auf seinem Lesesessel sitzen und Bücher lesen und er plötzlich aus dem Nichts total aggressiv wird und um sich schlägt. Doch auch in dieser Situation versuchen wir diplomatisch zu bleiben und versuchen dem Auslöser auf den Grund zu gehen. Natürlich ist es hier so, dass Emil einfach nicht ins Bett möchte. Wir erklären ihm, was am Schlafen doch ganz schön ist und das ein neuer Tag erst beginnen kann, wenn man geschlafen hat, um ihn mit voller Energie zu starten. Ein Kind von zwei Jahren versteht natürlich noch lange nicht alles von dem, was wir da so erzählen, aber manchmal, da funktioniert es genau so.

Manchmal aber eben auch nicht. Dann werden auch wir konsequenter, denn Gewalt darf keine Rolle spielen, ob mit voller Absicht oder aus den Gefühlen heraus. Dann wird das Buch lesen abgekürzt, die CD angemacht und Emil wird ins Bett gelegt, natürlich unter Protest. Was wir jedoch niemals weglassen, ist der Satz: „Ich hab Dich lieb!“ und ein Gute-Nacht-Kuss gibt es auch immer. Dieser Satz ist immer das letzte was er von mir hört, wenn ich ihn ins Bett bringe. Auch, wenn er sich dann weiterhin nicht beruhigt und ich nochmal ins Zimmer gehe, um Ihm deutlich zu sagen, dass jetzt Schluss ist und er noch seine CD hören darf, bevor er einschläft, dass sein Verhalten aber nicht in Ordnung ist, auch dann gehe ich nochmal zu seinem Bett, sag ihm wie lieb ich ihn habe, gebe ihm einen Kuss und sage, dass ich unten bin, wenn er mich braucht.

Meistens klappt es spätestens dann und er hört noch ganz entspannt sein Hörspiel, bevor er dann selig einschläft.

In der letzten Zeit ist es dann sogar vorgekommen, dass er nochmal auf den Arm wollte, mich fest umklammert, dann anschaut und mein Gesicht in seine beiden Händchen nimmt und ganz leise „Mama“ haucht und mir dann einen Kuss gibt.(Hört sich wie aus einer schnulzigen Romanze an, aber es ist wirklich so) Spätestens da, ist aller Ärger vergessen und ich weiß, wir gehen den richtigen Weg, mit viel Liebe und Verständnis aber auch konsequent genug.

Wie geht Ihr mit den Trotzanfällen Eurer Kind um und ward Ihr auch schon mal in der Situation, dass Ihr wegen Eures Erziehungsstils von fremden kritisiert wurdet?