Gedanken

Wenn sich der Druck der Gesellschaft auf Dein Leben auswirkt

20. Juni 2017

Wir sind dem Druck der Gesellschaft schon in frühen Lebensjahren ausgesetzt. Angefangen bei dem Schulabschluss, der Berufswahl und dem Studium. Wir lernen damit umzugehen und in manchen Bereichen ist der Druck der Gesellschaft sicherlich auch positiv, zumindest wenn es um die beruflichen Perspektiven geht.

Wenn es allerdings um persönliche Dinge geht, dann schnürt es mir regelmäßig den Hals zu.

Heiraten, Haus, Kinder

Ist man in einer längeren Beziehung kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem die Gesellschaft „verlangt“ , dass es doch an der Zeit wäre nun mal zu heiraten, ein Haus zu bauen/kaufen und Kinder zu bekommen.

Bist du noch Mitte 20 und bekommst ein Kind, fragen sich dich  alle, ob es nicht vielleicht doch ein Unfall war und ob das Kind tatsächlich ein Wunschkind ist. 

Wenn das Kind erstmal da ist, wirst Du ständig nach den Entwicklungsschritten des Kindes gefragt und dementsprechend werden auch deine Fähigkeiten als Mutter bewertet, denn sollte Dein Kind mal nicht so schnell sein wie andere Kinder in dem Alter, hast Du definitiv etwas falsch gemacht. Vielleicht liegt es ja daran, dass Du nur kurz oder gar nicht gestillt hast. Vielleicht trägst Du dein Kind zu viel rum, vielleicht kümmerst Du Dich zu wenig, weil Du ja nach einem Jahr Elternzeit schon wieder arbeiten gehen musstet – natürlich weil du es wolltest und nicht, weil du es musst.

Zweites Kind – Ja oder Nein

Tja und dann, wenn Dein Kind zwischen eins und zwei ist, dann ist der Zeitpunkt da, an dem Du nach weiterer Kinderplanung gefragt wirst. Solltest Du auf diese Frage antworten, dass Du kein zweites Kind möchtest, bekommst Du zu hören, dass es doch nicht schön wäre, wenn Dein Kind als Einzelkind aufwachsen muss – denn Einzelkinder sind ja so furchtbare Menschen ( Hallo, hier ist eins!)

Und wenn Deine Begründung lautet, dass Du es Dir zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht vorstellen kannst, weil Du noch berufliche Ziele vor Augen hast, dann Gnade Dir Gott… Welch schlimmer Mensch Du bist.

Wenn Du allerdings bis zum dritten Geburtstag Deines Kindes mit dem beruflichen Wiedereinstieg wartest, oder dann ein zweites Kind bekommst, dann lässt Du Dich von Deinem Mann und dem Staat aushalten und bist mindestens ein genau so schlimmer Mensch.

Wie man also sieht: Egal wie, wir können es der Gesellschaft nicht recht machen.

Ich bin zur Zeit in der Situation, dass ich mir anhören muss, warum wir kein zweites Kind haben möchten. Denn, ein Später als Jetzt gibt es für viele nicht. Dann wäre der Altersunterschied schließlich viel zu groß. So werde ich wohl damit leben müssen, dass ich immer wieder gefragt werde, warum ich kein zweites Kind haben möchte, dabei würde ich es niemals ausschließen. Nur eben Jetzt passt es nicht. Natürlich gibt es nie den richten Zeitpunkt und wenn man danach ginge, dann gäbe es vermutlich keine Kinder mehr auf dieser Welt, aber ein bisschen selbst entscheiden möchte ich das ganze schon und diese Entscheidung sollte mir nicht von der Gesellschaft abgenommen werden.

Wie ist es bei Euch? Ward Ihr auch schon in der Situation, den gesellschaftlichen Druck so enorm zu spüren? 

 

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1 Comment

  • Reply Katarina 20. Juni 2017 at 21:31

    Ein toller Post! Du sprichst mir aus der Seele. Ich habe meinen Sohn (auch ein Emil), mit 27 bekommen und musste mir öfter anhören warum ich so früh Mutter geworden bin. Es gab viele Leute die mich gefragt haben warum ich noch nicht wieder arbeite, als er 12 Monate alt war. Er ist mit 16 Monaten in die Kita gekommen. Und dann wiederum war ich die Rabenmutter die ihren Sohn SCHON mit 16 Monaten abgibt. Ich arbeite übrigens auch im Krankenhaus 🙂 Am schlimmsten ist für mich das Stillthema. Es hat bei mir nicht geklappt. Immer wenn jemand die Flasche gesehen hat, wurde ich mitleidig angeschaut oder ausgefragt warum es nicht geklappt hat. Dieses ständige rechtfertigen nervt!

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