Gedanken

Aus Fehlern lernt man – oder was mich zu der gemacht hat, die ich bin

14. Juni 2017

An einigen Punkten des Lebens grübelt man über vermeintliche Fehler, die man in seinem bisherigen Leben gemacht hat. Oder man denkt darüber nach, was man hätte anders machen können.

Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der Fehler für wichtig hält, um daraus zu lernen. Trotzdem gibt es für mich Punkte, die ich hätte anders machen können. Ich bin angekommen im Leben und kann bisher Geschehenes aus einer anderen Perspektive reflektieren.

Eine Sache, die mich tatsächlich ärgert ist, dass ich mich immer zu stark an meine (Ex-) Freunde gebunden habe. Sobald ich einen Freund hatte, war alles andere unwichtig. Möglichkeiten, die sich mir aufgetan haben, habe ich nicht wahrgenommen, weil ich bei meinem Freund sein wollte. Sei es die Studienreise im 12. Jahrgang nach Rom, die ich hab sausen lassen oder die Möglichkeit eine Ausbildung in Hamburg zu machen. Ich wollte nicht raus aus meiner Komfortzone, weg von meinem Freund.

Freunde habe ich immer vernachlässigt und mich an den Freundeskreis meiner Kerle geklammert. War der Freund weg, somit auch die vermeintlichen Freunde. So ist es nun also, dass ich nur wenige Freunde habe, die ich noch aus Kindheitstagen kenne. Es gibt da natürlich trotzdem welche und die sind mir auch wichtig, aber es ist eben kein großer Freundeskreis aus den Kindheitstagen.

Bei meinem Mann und mir ist es allerdings etwas anders. Durch Ihn habe ich wirklich tolle Freunde kennengelernt und ich weiß, dass sie jederzeit für mich da sind. Aber wirklich alte Freunde gibt es leider nicht. Ich war nie einsam, versteht das bitte nicht falsch. Es gab halt immer nur sehr wenige wahre Freunde in meinem Leben.

Nun haben wir einen gemeinsamen Freundeskreis, der wirklich toll ist und auch ich habe tolle Freundinnen, die mir immer zur Seite stehen, wie Emil’s Patentante zum Beispiel.

Auch habe ich mich immer von dem wirklich wichtigen ablenken lassen – der Schule. Alles andere (Zeit mit dem Freund) war einfach wichtiger und dafür schäme ich mich tatsächlich etwas. Ich habe mein Abitur nicht gemacht, habe nicht studiert. Ich bin nicht von Zuhause fort gegangen um etwas neues auszuprobieren. Ich war nicht im Ausland um Erfahrungen zu sammeln.

Das sind Dinge, die ich jetzt bereue. Klar, man könnte das Abitur noch nachholen und studieren könnte ich mit der Fachhochschulreife auch. ( Und vielleicht wird dieser Punkt bald in die Realität umgesetzt)  Aber ins Ausland gehen oder nochmal in eine Großstadt ziehen mit Kleinkind? Das ist nicht meine Vorstellung von Familienleben. (Ich bin jedoch absolut kein Gegner davon 😉 )

Aber auch, wenn das Dinge sind, die in meiner Vita fehlen, ist es vermutlich genau das, was mich zu der gemacht hat, die ich bin. Und vielleicht war genau das der Weg, den ich gehen musste, um da zu landen, wo ich jetzt bin. Erst scheitern, dann aufstehen und dem Leben zeigen, dass ich es eben doch kann.

Hätte mein Umfeld doch nie von mir erwartet, dass ich etwas finde, dass ich mit so viel Leidenschaft mache und dafür wirklich hart arbeiten würde. Ich habe etwas gefunden, für das es sich gelohnt hat, sich den Allerwertesten aufzureißen. Die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin habe ich wirklich sehr gut abgeschlossen und einen Job auf einer interessanten Station bekommen, auf der ich sehr selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten kann.

Hätte ich vielleicht früher erkannt, wofür man hart arbeitet, hätte ich mich wohl nicht so leicht ablenken lassen und das werde ich meinem Sohn mitgeben. Ich habe damals einfach nicht weiter gedacht, nur an das Jetzt und ich möchte meinen Sohn auf dem Weg begleiten, nicht dieselben Fehler wie seine Mutter zu begehen, sondern für das zu arbeiten, was er sein möchte, nicht für das, was irgendjemand von Ihm verlangt zu sein.

Und wer weiß, vielleicht erfüllen sich ja doch irgendwann nochmal meine Träume.

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2 Comments

  • Reply isabelle 15. Juni 2017 at 2:03

    Du hast ganz recht und hadern und zurückblicken darf man nicht zu lange. Besser schauen,wo man gerade ist und weiter nach vorne schauen,was da so kommt. Ein ehrlicher Post,der dich noch sympathischer macht!

    • Reply lotti 15. Juni 2017 at 15:13

      Ach wie lieb von Dir! Das zurückblicken habe ich schon längst hinter mir gelassen, aber reflektieren tut manchmal ganz gut und erinnert einen daran, was man eigentlich schon alles geschafft hat! Liebe Grüße, Christina

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